Termintreue und Konzepte gefordert

Aufsichtsrat entlastet Geschäftsführerin, übt aber auch Kritik. Rüdiger Schmidt sieht auf mehreren Ebenen großen Handlungsbedarf. Damit ist er nicht allein.

ORANIENBAUM-WÖRLITZ. In der aktuellen Sitzung des Aufsichtsrats der Tourismusgesellschaft Wörlitz-Oranienbaum mbH ist Geschäftsführerin Nadine Göring nach Bestätigung des Jahresabschlusses entlastet worden. Allerdings verlief das Treffen nicht frei von Reibungen. Wie Rüdiger Schmidt (SPD) auf Anfrage sagte, sei Kritik an Görings Arbeitsweise geübt worden. Insbesondere wünsche sich der Aufsichtsrat „Termintreue bei der Erstellung des Jahresabschlusses“.

Die Forderung ist nicht unerwartet aufgetaucht. Verabschiedet wurde nämlich erst der Abschluss für das Jahr 2015. „Da sind schon deutliche und klare Worte gefallen, dass es so nicht geht“, berichtete Schmidt. Und es gibt noch weitere Baustellen in der Tourismusgesellschaft. Nadine Göring soll nun „kurzfristig“ Konzepte für den Betrieb eines zweiten Infopunktes in Wörlitz und für die Fusion mit der Interessengemeinschaft „Stadtinformation Oranienbaum“ vorlegen. „Bisher reden alle vermeintlich über das Gleiche, jeder meint aber etwas anderes“, konstatierte Schmidt, der lange warten musste, bis Bürgermeister Uwe Zimmermann (Linke) den Aufsichtsrat einberief.

Zuvor sah sich der Vockeroder gezwungen, mehrfach öffentlich auf eine Zusammenkunft zu drängen. Noch im alten Jahr rief sein Befremden hervor, dass sich das Gremium eben nicht – wie von Zimmermann angekündigt – noch vor Weihnachten 2016 traf. „Das ist überhaupt nicht in Ordnung. Das ist zu missbilligen“, verschaffte sich der Vockeroder seinerzeit Luft. Er verwies auf „eine Reihe von Sachverhalten, die einer dringenden Besprechung bedürfen“. Beispielsweise gehe es um die inhaltliche Ausgestaltung des neuen Dienstleistungsvertrages zwischen Stadt und GmbH.

Festlegungen müssten außerdem getroffen werden, ob nun eine „Außenstelle“ der Tourist-Info Wörlitz im historischen Gasthaus „Zum Eichenkranz“ eingerichtet wird oder nicht. Und er sehe auch „keine Weiterentwicklung“ in der Frage einer Fusion mit der Stadtinformation Oranienbaum. Da habe es bislang „keine einzige Reaktion“ gegeben. Und das es ewig dauerte, den Jahresabschluss für 2015 zu präsentieren, sei mehr als misslich. „Mit der Art und Weise bin ich überhaupt nicht einverstanden“, kritisierte er. „Von der Geschäftsführung gibt es die Pflicht, gegenüber den Gesellschaftern Rechenschaft abzulegen. Nicht wir müssen auf sie zu gehen, sondern umgekehrt gibt es eine Bringepflicht.“

Im Jahr 2017 seien „dringende Auswertungen erforderlich“, fand der Volksvertreter. Auf die Stadt würde nicht bloß das Reformationsjubiläum zu rollen. Da reiche es nicht aus, passiv abzuwarten. Es sei aktives Handeln gefragt, unterstrich Schmidt. Der Bürgermeister zeigte sich ob der Breitseite teilweise reumütig. „Natürlich hätte es längst eine Aufsichtsratssitzung geben müssen. Eine Sitzung einzuberufen, nur um sagen zu können, man hätte getagt, ist aber zu wenig und hätte neue Kritik ausgelöst“, teilte er mit.

Dass es enormen Handlungsbedarf gibt, machte Hotelier Michael Pirl als Vorsitzender des Wörlitzer Gewerbevereins im Rahmen des Neujahrsempfangs bewusst. Alle beteiligten Seiten – er blickte dabei auch in Richtung der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs – müssten „ein grundsätzliches Gespräch“ führen, ob die Tourist-Information Räumlichkeiten im „Eichenkranz“ oder im benachbarten Badehaus beziehen soll. „Da muss man endlich Klarheit schaffen“, fand Pirl, der die Nutzung dieses Standorts für erforderlich hält.

Nicht minder dringlich ist aus seiner Warte eine „engere Zusammenarbeit“ von Tourismusgesellschaft und der Interessengemeinschaft Stadtinformation Oranienbaum, die ehrenamtlich betrieben wird. „Vor diesem Einsatz habe ich hohen Respekt“, sagte Michael Pirl. Es müsse aber gelingen – „egal, auf welcher Basis“ -, einen Weg der gemeinsamen Arbeit zu finden. „Davon würden alle profitieren“, prophezeite der Vereinsvorsitzende. Dies erfordere natürlich etwas Verhandlungsgeschick. Niemand dürfe den Eindruck gewinnen, man trete ihm zu nahe.