Schmidt missfällt langes Warten auf Aufsichtsrat
Vockeroder sieht auf mehreren Ebenen großen Handlungsbedarf. Gremium will sich nun am heutigen 9. Februar treffen.
ORANIENBAUM-WÖRLITZ. Lange hat er warten müssen. Doch heute nun soll stattfinden, worauf er mehrfach drängte: eine Sitzung des Aufsichtsrats der Tourismusgesellschaft Wörlitz-Oranienbaum mbH. „Vorgesehen ist der 9. Februar“, teilte Rüdiger Schmidt (SPD) im Stadtrat Oranienbaum-Wörlitz mit. Es fiel auf, dass der Vockeroder den Termin bekannt gab und nicht Bürgermeister Uwe Zimmermann (Linke).
Andererseits war es so, dass sich Schmidt als Mitglied des Aufsichtsrats noch im alten Jahr öffentlich befremdet darüber zeigte, dass sich das Gremium eben nicht – wie von Zimmermann angekündigt – noch vor Weihnachten 2016 zu einer Sitzung traf. „Das ist überhaupt nicht in Ordnung. Das ist zu missbilligen“, verschaffte sich der Vockeroder seinerzeit Luft. Er verwies auf „eine Reihe von Sachverhalten, die einer dringenden Besprechung bedürfen“.
Klärungsbedarf besteht für ihn gleich auf mehreren Ebenen. Beispielsweise gehe es um die inhaltliche Ausgestaltung des neuen Dienstleistungsvertrages zwischen Stadt und GmbH. Festlegungen müssten außerdem getroffen werden, ob nun eine „Außenstelle“ der Tourist-Info Wörlitz im historischen Gasthaus „Zum Eichenkranz“ eingerichtet wird oder nicht. Und er sehe auch „keine Weiterentwicklung“ in der Frage einer Fusion mit der Stadtinformation Oranienbaum.
Da habe es bislang „keine einzige Reaktion“ gegeben. Hinzu komme, dass nach wie vor der Jahresabschluss für 2015 fehle. „Mit der Art und Weise bin ich überhaupt nicht einverstanden“, kritisierte Rüdiger Schmidt (siehe auch „Gremien nehmen abgestimmte Themen auf“). „Von der Geschäftsführung gibt es die Pflicht, gegenüber den Gesellschaftern Rechenschaft abzulegen. Nicht wir müssen auf sie zu gehen, sondern umgekehrt gibt es eine Bringepflicht.“ 2017 seien „dringende Auswertungen erforderlich“.
Auf die Stadt würde nicht bloß das Reformationsjubiläum zu rollen. Da reiche es nicht aus, passiv abzuwarten. Es sei aktives Handeln gefragt, unterstrich Schmidt. Der Bürgermeister zeigte sich ob der Breitseite teilweise reumütig. „Natürlich hätte es längst eine Aufsichtsratssitzung geben müssen. Eine Sitzung einzuberufen, nur um sagen zu können, man hätte getagt, ist aber zu wenig und hätte neue Kritik ausgelöst“, teilte er mit. Die Aushandlung des Dienstleistungsvertrags solle aber „bis zum 31. Januar 2017 erledigt sein“.
Dass es großen Handlungsbedarf gibt, machte Hotelier Michael Pirl als Vorsitzender des Wörlitzer Gewerbevereins im Rahmen des Neujahrsempfangs bewusst. Alle beteiligten Seiten – er blickte dabei auch in Richtung der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs – müssten „ein grundsätzliches Gespräch“ führen, ob die Tourist-Information Räumlichkeiten im „Eichenkranz“ oder im benachbarten Badehaus beziehen soll. „Da muss man endlich Klarheit schaffen“, fand Pirl, der die Nutzung dieses Standorts für erforderlich hält.
Nicht minder dringlich ist aus seiner Warte eine „engere Zusammenarbeit“ von Tourismusgesellschaft und der Interessengemeinschaft Stadtinformation Oranienbaum, die ehrenamtlich betrieben wird. „Vor diesem Einsatz habe ich hohen Respekt“, sagte Michael Pirl. Es müsse aber gelingen – „egal, auf welcher Basis“ -, einen Weg der gemeinsamen Arbeit zu finden. „Davon würden alle profitieren“, prophezeite der Vereinsvorsitzende. Dies erfordere natürlich etwas Verhandlungsgeschick. Niemand dürfe den Eindruck gewinnen, man trete ihm zu nahe.
Gremien nehmen abgestimmte Themen auf
Nadine Göring, Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft Wörlitz-Oranienbaum mbH, ging nicht auf konkrete Fragen zu den inhaltlichen Schwerpunkten früherer Aufsichtsratssitzungen ein. Sie bestätigte nur, dass die nächste vom Aufsichtsratsvorsitzenden Uwe Zimmermann einberufene Sitzung heute, am 9. Februar, stattfinden soll. „Die dort abgestimmten Themen werden in die entsprechenden Gremien der Ortsteile beziehungsweise der Stadt Oranienbaum-Wörlitz aufgenommen“, sagte Nadine Göring. „Hinsichtlich der vergangenen Sitzungen kann ich mitteilen, dass die dort besprochenen Themen – zum Beispiel Anfragen zu Grundstückskäufen – in die entsprechenden Gremien mitgenommen und dort – so denn öffentlich – besprochen wurden.“